Madame Mai 2013

Für Fischliebhaber ist das lebhafte Edelbistro in Neumarktnähe die erste Adresse in der Rheinmetropole. Das Ambiente: edel und charmant mit einer offenen Show-Küche. Den Küchenstil beschreibt Gastronom Ralf Marhencke selbst als „kreative leichte Feinschmeckerküche“ und

achtet dabei darauf, dass die frischen, saisonalen Zutaten ihren Eigengeschmack behalten und nicht durch abenteuerliche Zutaten verfКlscht werden. Besonders gut: Filet vom Atlantik-Steinbutt mit Foie Gras. Auch die Weinauswahl ist exzellent.

Carsten Henn – „Geschmackssache“

„Der schönste Platz ist immer an der Theke“, sang das Steingass-Terzett – es stimmt nicht nur in der Kneipe, sondern auch in einem Kölner Spitzenrestaurant. Das „Poisson“ (französisch für „Fisch“) bietet eine offene Küche, und es macht einfach Spaß, den flinken Händen…..

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Gault Millau 2011

POISSON – 16 Punkte, 2 Kochmützen

Kölns einzig erwähnenswertes Fischrestaurant ist nun da, wo wir es haben wollten – Dieu merci! Der weit gereiste Patron Ralf Marhencke, dem es an Selbstbewusstsein nicht fehlt, hielt sich schon vor drei Jahren für so gut wie heute, doch wir Spielverderber hielten uns bedeckt – und eine Weile fern. Inzwischen feilte unser durchaus lernfähige Poissonier an seinem Konzept: Die durchgehende Verköstigung wurde aufgegeben – jetzt gelten die üblichen Essenszeiten. Zwei Ruhetage sorgen für weniger Hektik und mehr Kontinuität in der offenen Barküche.

Wer Gänseleberterrine mit Wildkirschgelee und Birnenchutney oder ein Ribeye-Steak vom Grill möchte, kriegt beides in einwandfreier Qualität – aber das quicklebendige Edelbistro in Neumarktnähe führt seinen Namen nicht zum Spaß: Hier werden frische Fische und Meeresfrüchte genauso präzise wie kreativ zubereitet. Die nervösen Zuckungen der Avantgarde sind nicht zu befürchten, es kommt aber auch keine klassische Langeweile auf.

Eine kräftige Bouillabaisse oder ein „Hamburger“ von Büsumer Krabben mag schon ein vielversprechender Einstieg sein – das Dreierlei vom Auricher Matjes ist auf jeden Fall ein Genuss (schön zwiebelig nach Hausfrauenart, als Tatar auf Schwarzbrot vom Kultbäcker Zimmermann, mild geräuchert mit Roter Bete). Aparte Röstnoten begleiten die zart gebratenen Calamaretti mit Peperoncini und jungem Knoblauch, und die bretonischen Jacobsmuscheln können sogar doppelt Spaß machen: einmal roh mariniert mit Périgord-Trüffeln und einer Vinaigrette vom grünen Apfel, ein andermal gebraten mit Pulpo-Bolognese und Parmesanschaum – dies ist zweifellos die süffigere Variante, mit einer Ahnung von dunklem Fleisch in der fulminanten Sauce. Ziehen wir dann den feinblättrigen Eismeer-Kabeljau (auch Skrei genannt), pochiert in Gewürz-Olivenöl, angerichtet auf Bouillabaisse-Gemüse und Safran-Hollandaise, seinem nicht minder filigranen Artgenossen vor, der sich immerhin einer Orangen-Béarnaise, einer Langostino-Krokette und geschmorter Beluga-Linsen erfreut? Das wagen wir gar nicht zu entscheiden – zumal der prächtige „Wild King Salmon“ aus Alaska uns vor eine kaum weniger schwierige Wahl stellt: Glänzt er mehr mit herrlich dünnwandigen Wurzelgemüse-Ravioli oder mit Rahmwirsing und kölscher Flönz? Ein expressiver Kartoffel-Meerettich-Fond verleiht dem raren Königswildlachs noch weiteren Auftrieb – die Würzschwächen, die nicht nur wir im Poisson beklagten, sind offensichtlich passé. Dies belegt auch die kecke Kumpanei von Atlantik-Steinbutt und glasiertem Kalbsbries oder das fernöstlich angehauchte Bluefin-Thunfischfilet mit buntem Pfeffer, Asia-Krautsalat und Ingwercréme.

Wenn zum Nachtisch ein Zitronengras/Joghurt-Sorbet auf Ananasragout mit Prosecco aufgegossen wird oder tout simplement Zitrus auf Kaffee trifft, ist dies sicher aller Ehren wert – nur keine ansonsten fällige höhere Note.

Die großformatige Wein- und Champagnerkarte erlaubt es betuchten Gästen, den Fisch sehr hochpreisig schwimmen zu lassen, doch auch wir ärmeren Schlucker müssen nicht verdursten. Der flotte Service geht mit Charme und Kompetenz zu Werke. Am ebenso angenehm urbanen wie (bis auf den sachte ironisierenden Klunkerlüster im Hintergrund) nüchtern-funktionalen Ambiente befremden bloß die wuchtigen weißen Beleuchtungsquader: Kindersarkophage, die an der Decke hängen…..

Prinz Top-Guide Köln 2011

POISSON
Küche*****
Atmosphäre ****

Alles ist elegant, alles ist sehr modern – und angenehm clean. Alle wirken geschäftig.

Eines ist sicher: ein romantisches Candlelight-Dinner funktioniert hier nicht, schon allein wegen der herrlich zu beobachtenden offenen Küche. Man merkt dem Poisson seine Lage in direkter Nähe zum Shopping-Trubel an.

Aber genauso sicher ist: Viel besser wird Fisch in Köln kaum serviert. Die ganze Sorgsamkeit und Phantasie, mit der Ralf Marhencke und sein Team die Schäumchen, die marktfrischen Zutaten und vor allem die mitunter raren Meeresbewohner zubereiten und anrichten, ist einfach einmalig. Die aktuelle Karte ist immer auf die jeweilige Saison ausgerichtet: Im Spätsommer feierten allein die Nebendarsteller wie Steinpilze, Kürbis oder Zwetschgen schon große Feste. Wen dann noch Auricher Matjes, ausgefallene Austernsorten, eine Meeräsche und Bergische Flusskrebse ihren Weg in die Wolfsstrasse und auf die perfekt inszenierten Teller finden, droht man schon mal, vor Glück durchzudrehen – wenn man sich nicht benehmen müsste.

Und dann dieses Mohnküchlein zum Abschluss – ein Wahnsinn!

mst

Kölner Stadtanzeiger

Seeteufel als Saltimbocca

Von Helmut Gote, 27.11.09

Serie: Restaurant-Kritik von Gote

Das „Poisson“ in der Kölner Innenstadt hat sich mit dem beständig hohen Niveau seiner Speisen etabliert. Vor allem die Fischgerichte sind erstklassig und stimmig kombiniert. Hier schmeckt man die Qualität.

Dieses kleine Fischrestaurant liegt zwar sehr zentral in direkter Nähe des Neumarkts, aber gleichzeitig so versteckt neben dem Parkhaus in der Wolfstraße, dass man es schnell übersehen kann. Sollten Sie aber nicht, vor allem nicht, wenn Sie gerne erstklassigen Fisch essen. Denn Küchenchef Ralf Marhencke, der hier nun schon seit mehr als zwei Jahren mit einer sehr kleinen Kochcrew alles zubereitet, was sich in Binnengewässern und Meeren tummelt, hat sich kontinuierlich gesteigert und ist auf einem beeindruckenden Niveau angekommen.

Dass mir die Atmosphäre des bistroartigen Lokals mit der offenen Küche trotz seiner etwas kühlen Stilistik im Vergleich zu meinem letzten Besuch insgesamt viel angenehmer vorkam, hat auch mit dem Service zu tun. Die beiden charmanten Frauen erledigen ihren Job souverän und gastfreundlich, so dass man sich hier vom ersten Moment an wohlfühlt – kompetente Weinberatung inklusive.

Ausschließlich Wildfang

Auf der übersichtlichen Speisenkarte stehen natürlich weitgehend Fische und Krustentiere, die ausschließlich aus Wildfang stammen, was auch das gehobene Preisgefüge relativiert. Der qualitative und geschmackliche Unterschied zu industriell gefischter Massenware oder Zuchtfischen zeigt sich deutlich, was auch an der immer präzisen Zubereitung liegt. Ebenso deutlich zeigt er sich am Preisunterschied. Schon der erstklassige Thunfisch, nur kurz angebraten, innen roh und dezent mit einer bunten Pfeffermischung gewürzt (19 Euro), ist ein Paradebeispiel dafür. Der subtile Eigengeschmack des Fisches harmoniert wunderbar mit dem Salat aus Avocado, Tomaten-stückchen, reifer Mango und frischem Koriander, bleibt aber trotzdem der Hauptdarsteller dieser Vorspeise. Superzarte Calamaretti (15 Euro) vertragen sich problemlos mit den kräftigen Röstaromen des jungen Knoblauchs und der hintergründigen Schärfe von grünen Peperoni. Die blanchierten Topinamburscheiben mit ihrer leichten Süße setzen passende Akzente zu kleinen Linsen, die mit aromatischem Curry gewürzt sind, als Beilage zu hervorragenden Jakobsmuscheln (18 Euro).

Steinbutt und Entenleber

Auch bei den Hauptgerichten versucht Ralf Marhencke nicht, die Fischküche neu zu erfinden, sondern begeistert mit stimmigen Kombinationen und in sich schlüssigen Geschmacksbildern. Die dicken, innen noch schön glasigen Seeteufel-Saltimbocca mit Pancetta, Salbeiblatt, Gnocchi, Hokkaido-Kürbis und Cima di rapa, ein dunkelgrünes Kohlgemüse aus Italien, ist so ein Gericht (28 Euro), das keine Wünsche offen lässt. Und der superbe bretonische Steinbutt mit gebratener Entenstopfleber, die samtig zerfließt zu Schwarzwurzeln in cremiger Sauce und Kartoffelpüree (35 Euro) ist ein sehr seltener Genuss.

Falls Sie den Wein dazu nicht glasweise trinken wollen, gibt es viele Alternativen in der Flaschenkarte mit einer nach oben offenen Preisskala. Oder versuchen Sie mal den 2004er Riesling Alte Reben von Molitor an der Mosel (43 Euro) – ein perfekt gereifter Riesling, der zu diesen ausgefeilten Fischgerichten alle seine Vorzüge perfekt ausspielen kann.